Kindesmissbrauch erkennen

Da will ich mich lieber nicht einmischen. Ich habe es nicht gelernt, solche Gespräche zu führen. Es gibt doch Spezialisten, die für so etwas ausgebildet sind. Da können wir als Lehrer sowieso nichts machen!

Ja! Tatsächlich ist es nicht die Aufgabe der Lehrkräfte, Erkundigungen einzuziehen, Eltern mit irgendwelchen Vorwürfen zu konfrontieren, Verdächtige zu ermitteln oder gar Kinder aus problematischen Familien herauszuholen. Dafür gibt es besondere Einrichtungen und Fachleute, die sich regelmäßig mit solchen Fällen befassen und die dafür entsprechend ausgebildet und ausgestattet sind.

Tatsache ist aber auch, dass diese Fachleute darauf angewiesen sind, von irgendwem auf Verdachtsfälle aufmerksam gemacht zu werden. Unterbleiben solche Hinweise, können die zuständigen Einrichtungen nicht tätig werden. Oft genug ist genau dies leider das zentrale Problem. Denn die Opfer schweigen. Mit Peitsche oder Zuckerbrot schaffen es die TäterInnen immer wieder, die betroffenen Kinder und Jugendlichen zum Schweigen zu bringen.

In der Praxis geht es um die Institutionalisierung eines dreischrittigen Verfahrens:

  1. Alle Lehrkräfte kennen die verdächtigen Indizien und achten auf die ihnen anvertrauten Kinder.
  2. Im Verdachtsfall sprechen sie mit einem/r intensiver fortgebildeten AnsprechpartnerIn in ihrem Kollegium, der/die eine zweite Meinung zu den festgestellten Indizien abgibt.
  3. Der-/dieselbe pflegt gute regelmäßige Kontakte zu den zuständigen Fachleuten und Einrichtungen vor Ort, die ggf. unterrichtet werden und die dann die erforderlichen Schritte einleiten.

In diesem Seminar geht es um den ersten dieser drei Schritte, der gar keine großen Aktivitäten von Lehrerseite erfordert und der dennoch der alles entscheidende ist.

  • typische Verhaltensauffälligkeiten
  • Krankheiten und Fehlzeiten
  • charakteristische Leistungsschwankungen
  • indirekte Äußerungen, körpersprachliche Signale
  • Thematisierung im Unterricht
  • 'Stopp!'-Signale, Neinsagen lehren