Notengebung in der Pandemie

Normalerweise darf nur geprüft werden, was gelehrt wurde - und zwar in schulüblicher Weise nach den Regeln der didaktischen Kunst gelehrt wurde.

In einer Pandemie kann dieses fundamentale Prinzip der Leistungsmessung schnell verletzt werden. Wenn wesentliche Teile der Bildungs- und Erziehungsarbeit von der Schule ins Elternhaus verlagert werden müssen, geht die soziale Schere immer weiter auseinander.

Auf der einen Seite stehen die Überforderten, die sich unter schwierigsten Arbeitsbedingungen und ohne elterliche Hilfe alles selbst beibringen müssen und dabei nur zu oft an ihre Grenzen stoßen. Und auf der anderen Seite finden wir die Überförderten, die von kompetenten und engagierten Eltern hocheffizienten Privatunterricht erhalten und die dabei unter Umständen mehr lernen, als sie in einem Klassenverband lernen könnten.

Um Ungerechtigkeiten in der Benotung zu vermeiden, muss in der Pandemie die Relevanz von Sachnorm, Sozialnorm und Individualnorm vorübergehend neu austariert und transparent gemacht werden. Neben der Frage 'Ist es richtig oder falsch?' und der Frage 'Liegt es unter oder über dem Klassendurchschnitt?' muss also für eine gewisse Zeit die Frage 'Hat es sich bei diesem Kind verbessert oder verschlechtert?' stärker als sonst üblich berücksichtigt werden. Moderne Methoden der Selbstbewertung und der wechselseitigen Bewertung können gezielt genutzt werden, um diesem Ziel näher zu kommen.

Wird dies systematisch praktiziert, bedeutet Notengebung unter Corona-Bedingungen erheblich mehr als den gut gemeinten Versuch, nach rein subjektivem Ermessen öfter mal ein Auge zuzudrücken.

  • Sachnorm, Sozialnorm und Individualnorm
  • Schulgesetzliche Rahmenbedingungen
  • Transparenz schaffen
  • Selbstbewertung und wechselseitige Bewertung